Schauen Sie echten Müllern über die Schulter

Die Ostmühle wurde 1749 (knapp 30 Jahre nach der Westmühle) ebenfalls aus Bentheimer Sandstein gebaut. Während in der ehemaligen Westmühle mit dem Pinsel gemalt wurde, mahlen in der Ostmühle heute noch Freizeitmüller Weizenkörner.


Interview mit Hermann Kemper

Herr Kemper, Sie sind einer von sieben Freizeitmüllern in der Ostmühle? Wie wird man Freizeitmüller? Als ich in den Ruhestand gegangen bin, habe ich mit meiner Ausbildung angefangen. Zwei Sommer war ich Lehrling in der Ostmühle. Ein niederländischer Lehrmüller hat mir die Prüfung abgenommen und seitdem darf ich mich als Freizeitmüller bezeichnen.

Ist körperliche Fitness wichtig als Freizeitmüller? Ja, das ist nicht zu unterschätzen. Wir müssen teilweise schwere Säcke schleppen. Und um die Flügel in Gang zu bringen, brauchen wir auch viel Kraft. Wir steigen dazu bis zu 10 Meter in die Höhe.

Sie mahlen tatsächlich heute noch in der Ostmühle? Ja, aber nur zur Vorführung. Wir mahlen Weizen im Schrotmahlgang, wenn der Wind es zulässt. Ab einer Windstärke von 3-4 (das sind ca. 30 km/h) haben die Flügel genug Kraft um die Mühlensteine in Gang zu bringen. Zwar kommen die Flügel auch bei weniger Wind in Bewegung, aber das reicht nur für den Leerlauf.

Was gefällt Ihnen am Freizeitmüller-Dasein? Die gemeinsame Zeit mit meinen Müllerkollegen. Wir sind eine tolle Truppe und treffen regelmäßig andere Müller aus der Grafschaft und den benachbarten Niederlanden. Ich habe viel Neues über Gildehaus und Bad Bentheim erfahren. Die Zeit, mich mit unserem schönen Ort auseinanderzusetzen, fehlte mir, als ich noch berufstätig war. Das kann ich jetzt nachholen. Ich interessiere mich schon immer für Technik. Und hier ist technisch alles noch aus dem Jahr 1750. Das finde ich spannend. Es macht mir Spaß, die Technik und Geschichte der Mühle den Besuchern zu erklären. Und zudem liegt die Mühle hier oben wunderschön.


Die Ostmühle ist von April bis Oktober für Besichtigungen an den Wochenenden geöffnet. Genaue Öffnungszeiten und mehr zur Geschichte der Mühle fi nden Sie hier: https://ostmuehle-gildehaus.de/