Drei Minuten bei -110° C

Ein kurzer Atemzug, dann öffnet sich die Tür zur Kammer. Drinnen herrschen minus 110 Grad Celsius – eine Temperatur, die man normalerweise nur aus Polarregionen kennt. Doch statt Schnee und Sturm wartet hier eine moderne medizinische Therapie: die Ganzkörperkältetherapie.

Was zunächst extrem klingt, dauert nur wenige Minuten und wird von vielen Menschen überraschend positiv erlebt. Die intensive Kälte kann entzündliche Prozesse im Körper beeinflussen, Schmerzen lindern und die Regeneration unterstützen. Besonders in der Rheumatologie und Schmerztherapie hat sich die Methode bewährt.

Seit Februar diesen Jahres sorgt eine ultramoderne Kältekammer nun auch in der Fachklinik Bad Bentheim für eisige Frische – und das mitten im Therapiealltag. Aktuell profitieren noch ausschließlich die stationären Patienten der Fachklinik Bad Bentheim während ihres Aufenthaltes je nach Indikation von der neuen Therapieform. Professionell betreut und individuell angepasst ist sie nämlich ein Baustein des individuellen Therapieplans.

Nur ein kurzer Moment in extremer Kälte

Eine Behandlung in der Kältekammer dauert insgesamt nur wenige Minuten. Zunächst betreten die Anwenderinnen und Anwender eine Vorkammer mit etwa minus 60 Grad Celsius. Dieser kurze Aufenthalt von rund 30 Sekunden hilft dem Körper, sich auf die deutlich niedrigere Temperatur vorzubereiten. Anschließend geht es in die Hauptkammer. Dort herrschen rund minus 110 Grad Celsius – doch auch hier bleibt man nur maximal drei Minuten. Während der gesamten Zeit werden die Anwenderinnen und Anwender von geschultem Fachpersonal begleitet und beobachtet. Sicherheit steht dabei immer an erster Stelle.

Viele Menschen sind vor ihrer ersten Anwendung unsicher – vor allem wegen der extremen Temperaturen. Doch die Erfahrung zeigt: Die meisten empfinden die Kälte deutlich angenehmer als erwartet. Der Grund liegt in der trockenen Luft in der Kältekammer. Anders als bei winterlicher Kälte fehlt die Feuchtigkeit, die Kälte normalerweise besonders unangenehm macht. Stattdessen berichten viele Anwenderinnen und Anwender von einem aktivierenden, belebenden Gefühl.

Wichtig zu wissen: Die Teilnehmenden behalten jederzeit die Kontrolle und können die Kammer jederzeit selbstständig verlassen.

Wann die Kältetherapie eingesetzt wird und wie die extreme Kälte im Körper wirkt

Die Ganzkörperkältetherapie wird häufig als ergänzende Behandlung im Rahmen eines umfassenden Therapiekonzepts eingesetzt. Typische Anwendungsgebiete sind vor allem chronische oder entzündliche Erkrankungen.

Dazu zählen beispielsweise rheumatologische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Morbus Bechterew. Hier kann die Kälte helfen, entzündliche Prozesse zu reduzieren und Schmerzen zu lindern. Auch beim Fibromyalgie-Syndrom berichten viele Betroffene über eine Verbesserung ihrer Beschwerden. Darüber hinaus wird die Methode bei chronischen Rücken- und Wirbelsäulenschmerzen eingesetzt.

Selbst in der Dermatologie kann die extreme Kälte eine Rolle spielen – etwa bei juckenden Hauterkrankungen wie Psoriasis oder Neurodermitis.

Die medizinische Wirkung der Kältekammer beruht auf mehreren Reaktionen des Körpers. Die intensive Kälte kann entzündungsfördernde Botenstoffe reduzieren und gleichzeitig die Freisetzung körpereigener schmerzlindernder Substanzen fördern. Zudem verlangsamt sich kurzfristig die Nervenleitgeschwindigkeit, wodurch Schmerzsignale weniger stark wahrgenommen werden.

Und auch muskuläre Spannungen können sich durch die Kälte reduzieren – ein Effekt, der besonders bei muskuloskelettalen Beschwerden hilfreich sein kann. Somit hat sich die Behandlung ebenfalls besonders im Sportbereich etabliert: Leistungssportler nutzen Kältekammern häufig zur schnelleren Regeneration nach intensiven Trainingsbelastungen.

Sicherheit steht in der Fachklinik an erster Stelle

So wirkungsvoll die Methode sein kann, sie ist nicht für alle Menschen geeignet. Bestimmte Erkrankungen schließen eine Anwendung aus oder erfordern eine besonders sorgfältige ärztliche Abklärung. Vor jeder ersten Anwendung erfolgt deshalb bei den stationären PatientInnen eine medizinische Anamnese, um mögliche Risiken auszuschließen.

In der Kältekammer tragen die Teilnehmenden neben Badebekleidung Handschuhe, Socken, geschlossene Schuhe, Kopfbedeckung/Stirnband sowie einen Mundschutz. Hiermit werden die besonders empfindlichen Körperbereiche wie Hände, Füße und Atemwege geschützt.

Therapie mit System

Damit sich die positiven Effekte optimal entfalten können, wird die Ganzkörperkältetherapie in der Regel nicht nur einmal angewendet. Häufig erfolgt sie als Serie über mehrere Wochen.

Typische Behandlungsprogramme umfassen etwa zehn bis zwanzig Sitzungen mit mehreren Anwendungen pro Woche. Die genaue Anzahl wird jedoch individuell angepasst – abhängig von Erkrankung, Gesundheitszustand und Therapieziel.

Bald auch für externe Gäste

Die Ganzkörperkältetherapie der Fachklinik Bad Bentheim wird künftig nicht nur Patientinnen und Patienten der Klinik zur Verfügung stehen. Auch externe Gäste sollen die Anwendung bald nutzen können – als individuelle Selbstzahler-Leistung. Wer sich für die Kältetherapie interessiert, kann sich vorab medizinisch beraten lassen, um zu klären, ob die Anwendung im persönlichen Fall sinnvoll und geeignet ist.

Weitere Informationen zum Buchungsstart folgen in Kürze:

www.fk-bentheim.de

www.bentheimer-mineraltherme.de