Batavia
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Die Spuren des Bentheimer Goldes führen bis nach Java

Batavia – Tor im Bad Bentheimer Schlosspark

Text von Liesel Schmidt

Die Bürgerstiftung Bad Bentheim plant mit der Errichtung eines Tores aus Bentheimer Sandstein im Schlosspark ein besonderes Projekt. Es geht um die Nachbildung des Batavia-Tores, das sich im Original in einem Museum in der westaustralischen Küstenstadt Geraldton befindet. Es ist ein mächtiges Bauwerk mit einer Höhe von knapp sieben Metern. Was hat dieses Tor mit Bad Bentheim zu tun?

Die niederländische Ostindien-Handelsgesellschaft (Vereenigde Oostindische Compagnie / VOC) zählte zu den bedeutendsten europäischen Handelsunternehmen des 17. / 18. Jahrhunderts. Sie gründete Niederlassungen und Kolonien vor allem in Südostasien, früher allgemein als Ostindien bezeichnet. Auf Java wurde Batavia, das heutige Jakarta, zur Drehscheibe für den Handel der VOC. Die Stadt war mit einer Festungsanlage gesichert. Es gab Pläne, die Seeseite der Festung mit einem repräsentativen Portal auszustatten. Die VOC handelte mit Seidenstoffen, Baumwolle, Tee und Gewürzen. Auf ihren Fahrten zu den Handelsniederlassungen in Übersee führten ihre Schiffe schwere Frachtladungen als „paying ballast“ mit. So wurden z. B große Mengen Bausteine von den Niederlanden nach Asien verschifft. Die Niederlande sind allerdings arm an Natursteinvorkommen. Seit dem Mittelalter importierten sie Sandstein aus den Bentheimer und Gildehauser Gruben. Es ist anzunehmen, dass die VOC von hier Bentheimer Sandstein als Bausteine für die Festung Batavia bezog und ihn nach Fernost exportierte. Die VOC besaß eine große Flotte von Handelsschiffen, sogenannte Ostindiensegler. Eines dieser Schiffe war die „Batavia“, eine Fleute mit drei Masten.

Im Oktober 1628 startete die „Batavia“ als Flaggschiff mit mehreren anderen Handelsschiffen im Verband zu ihrer ersten Fahrt. Das Ziel war Batavia auf Java. Als Seeweg nach Südostasien benutzte man eine Route, die vom Kap der Guten Hoffnung (Südafrika) zunächst südlich und dann in östlicher Richtung direkt auf die Westküste Australiens führte. Von da aus nahmen die Schiffe nördlichen Kurs auf Java. In den Morgenstunden des zweiten Pfingsttages, am 4. Juni 1629, lief die „Batavia“ vor der westaustralischen Küste auf ein Riff der Abrolhos-Inseln. An Bord waren rund 320 Personen. Die meisten von ihnen fanden zunächst Rettung auf einer der nahe gelegenen Inseln. Das Schiff sank und mit ihm eine große Anzahl von Sandsteinblöcken, die im Laderaum gebunkert waren.

Die „Batavia“ erlangte durch die Katastrophe ihres Unterganges sowie durch die nachfolgenden verhängnisvollen Ereignisse eine traurige Berühmtheit; es ist eine Geschichte von Eifersucht, Habgier, Rachsucht, Fanatismus, Meuterei und Terror. Die Tagebuchaufzeichnungen des Schiffs-Kommandeurs Francisco Pelsaert berichten davon.

Fischer entdeckten im Jahre 1963 das Wrack der „Batavia“ auf dem Meeresgrund des Indischen Ozeans in den westaustralischen Küstengewässern. Nach der Bergung des Schiffes und seiner Ladung zählte man 137 vorgefertigte Sandsteine mit einem Gesamtgewicht von etwa 37 t. Es stellte sich heraus, dass diese Steine für die Fassade eines Tores der Festung Batavia auf Java bestimmt waren. Alle Bausteine waren markiert. Sie wurden zusammengesetzt und ergaben ein imposantes Portal von knapp sieben Metern Höhe. Die Steine wurden als Bentheimer Sandstein identifiziert. Das weisen geochemische und sedimentpetrografische Untersuchungen nach. Nach fast 400 Jahren gewinnt die „Batavia“ neue Aktualität und Bad Bentheim erfährt erstaunliche Dinge über den Handel mit Bentheimer Sandstein. Man kann sagen, der Bentheimer Sandstein stellt sich im 17. Jahrhundert als ein weltweites Kulturgut dar. Während in Geraldton das Batavia-Tor mit den Originalsteinen aufgebaut wurde, ist in der Küstenstadt Fremantle im Maritime-Museum (www. mm. wa. gov. au) das Bauwerk in einer Kopie zu besichtigen. Teile des Wracks der „Batavia“ sind in beiden Museen ausgestellt. Nach den Vorlagen des Maritime-Museums wurde die „Batavia“ inzwischen in Lelystad (NL) originalgetreu nachgebaut.

Die Bürgerstiftung Bad Bentheim hat im Schlosspark bereits einen Platz für das neue Batavia-Tor ausgesucht. Dort soll Mitte März 2019 zunächst ein hohes Gerüst aufgestellt werden, an dem eine Folie mit der Abbildung des Tores in Originalgröße befestigt wird. Die Bürgerstiftung möchte ihr Projekt der Öffentlichkeit vorstellen, um die Meinung über den gewählten Standort von der Bad Bentheimer Bevölkerung und auch von Touristen und Besuchern zu erfahren.